Campaign 2015 (Old Excavation Area)2018-10-18T17:58:44+00:00

Die Altgrabung

In August und September 2015 wurde die Altgrabung im Zionsfriedhof mit Erlaubnis der Landeigentümerund des IAA einer ersten Vorarbeit unterzogen. Bei der Reinigung des Geländes ergaben sich allerdings für die Arbeit im Feld einige Sonderbedingungen. Der Archäologische Kontext war aufgrund der vorhergehenden Untersuchungen (Durch Bliss und Dickie sowie Pixner) und spätere Verfüllungen und Erosion nicht mehr gegeben. Daher wurden keine Artefakte gesammelt. Die Hauptaufgabe der Kampagne bestand darin, die Erdpackungen auszuheben, mit denen die alten Schnitte aufgeschüttet waren. Diese Füllung erwies sich als umfangreicher als es im Vorfeld absehbar war. Bis zum Ende der vierwöchigen Kampagne mussten mehr als 120 Tonnen Erde, Sand, Abraum und Friedhofsmüll entfernt werden.

Nach der Reinigung zeigen sich die Abfolge der antiken Mauern und die Toranlage in einem Zustand, der Raum für neue, solide Interpretationen ermöglichte. Zu diesem Zweck wurde auch eine umfangreiche Dokumentation vorgenommen. Zukünftige Forschungen basieren beispielweise auf genauen Messdaten aller Einzelbefunde sowie 3-D-Modelle des gesamten Areals und daraus resultierenden Orthofotos und steingerechte Pläne – eingebettet in ein GIS basierend auf dem landesüblichen Grid. Auf dieser Grundlage werden die Mauerstrukturen im Zionsfriedhof nun topographisch mit anderen Stadtmauer-Grabungen in der Umgebung verknüpft.

Das gilt im Besonderen für die Grabung von Yehiel Zelinger, der südöstlich des Zionsfriedhofes, jenseits der Ma’ale HaShalom-Straße die Fortsetzungen der im Friedhof freigelegten Mauern fand. Zelingers Untersuchungen widmete sich aufgrund der extremen Hanglage am Rande des Hinnomtales nur dem Verlauf der Stadtmauern im Südbereich der ehemaligen Stadt. Wohnbereiche konnten hier nicht erforscht werden. Auch im Zelinger-Grabungsschnitt wurde ein Tunnel von Frederick Bliss und Archibald Dickie entdeckt. Die beiden Engländer gruben allerdings nicht nach oben auf, sodass die Ergebnisse im vorliegenden Grabungsbereich unverfälscht blieben. Die topographische Nähe der beiden Grabungen des DEI und Yehiel Zelingers machen eine Kooperation für beide Seiten gewinnbringend.

Interpretation der Ergebnisse 2015

Die Toranlage im Nordwesten des Areals besteht aus drei übereinander liegenden Schwellen. Die älteste ist zwischen zwei Toransatzsteinen eingebettet und weist kreisrunde Einlassungen für die beiden Torangeln auf. Unter dem Bodenniveau dieses Bogens befindet sich ein aufwendig gearbeiteter Abwasserkanal. Die zweite Schwelle gehört zu einer Reparaturphase der ersten. Sie erhöht den Eingang um etwa 35 cm. Dadurch wurde zwar der Durchgang verkleinert, doch die Maßnahme griff nicht in die Bausubstanz des Torbogens als Ganzes ein. Die dritte Schwelle dagegen markiert in ihrer Bauweise und Position eine unabhängige, neue Bauphase. Sie erhöht den Eingang in die Stadt um mehr als einen Meter und ruht auf einem hohen Mörtelpack, der sich in der Füllung der an die Schwelle anschließenden Quadermauer fortsetzt. Östlich dieser Schwelle ist möglicherweise ein kleiner Rest des Untergrundes der Straße erhalten, die in die Stadt führte.

In Übereinstimmung mit den historischen Quellen handelt es sich bei der ältesten Schwelle vermutlich um das bei Flavius Josephus (Bell Iud V, 145) genannte Essenertor aus hasmonäischer/herodianischer Zeit. Die Reparaturphase kann bislang nicht datiert werden. Die obere Schwelle und die dazugehörige Quadermauer hingegen sind der Stadtmauererneuerung in der Mitte des 5. Jh. n. Chr. zuzurechnen.

Südlich der Toranlage können drei Mauerzüge voneinander unterschieden werden. Die älteste liegt westlich der Quadermauer und weist keinerlei Verbindung zu den anderen Mauern auf. Die Feldsteinmauer ist direkt auf dem anstehenden Fels errichtet und folgt der Hangkante des Zionsberges. Pixner verband diese Mauer mit der Eisenzeit II. Diese Datierung ist zwar nach alttestamentlichen Quellen naheliegend, kann aber aufgrund der schlechten Befunddokumentation und den derzeit fehlenden Verbindungen zwischen den beiderseits freigegrabenen Mauern und den archäologischen Kontexten nicht belegt werden. Die Quadermauer der Bauphase des 5. Jh. überbaut in einem zu dieser ältesten Mauer leicht abweichenden Winkel den Hügel, sodass ihre Fundamente die ältere Mauer teilweise überschneiden. Bei der dritten und jüngsten Mauer handelt es sich um einen Reparaturabschnitt aus einer noch nicht datierbaren späteren Phase, die eine Schneise zwischen dem Turm in Süden und der Quadermauer im Norden schließt. Diese Mauer ist aus großen, leicht in eine rechteckige Form geschlagenen und sehr dicht vermörtelten Feldsteinen errichtet und schließt in einer Art und Weise an den Turm an, die als Interpretation nur eine Nachzeitigkeit zulässt.

Der Turm im Süden markiert die Stelle, an der die Mauer nach Osten abknickt, um dem Abhang des Zionsberges zu folgen. Heute ist der Turm stark beschädigt, weil er bei der Errichtung der südlichen Friedhofsbegrenzungsmauer in der Mitte des 19. Jh. durchbrochen wurde. Die Fortsetzung seiner Fundamente kann man noch außerhalb der Friedhofsmauer sehen. Das Quadermauerwerk des Turmes ist flach bossiert, wobei es sich hier um hasmonäische/herodianische Bossen handelt, die aber möglicherweise einst tiefer gewesen sein könnten und abgeschlagen wurden. Die Fundamente des Turmes weichen in ihrer Ausrichtung zweifach von den aufgemauerten Quadern ab. Beide Abweichungen sind wegen ihrer auf Abstand gearbeiteten Steinsetzung als Fundamente charakterisiert. Nach dem aktuellen Stand kann noch nicht belegt werden, ob es sich bei den beiden Fundamentschichten um jeweils vorzeitige Setzungen handelt oder ob die veränderten Winkel in hangausgleichender Substruktionsarbeit begründet sind. Gleiches gilt für die Verschiebung der Ausrichtung zwischen dem Quadermauerturm und den Fundamentlagen. Möglicherweise sind also allein in der heutigen Erscheinung des Turmes drei Phasen auszumachen, wobei das Verhältnis des Turmes zur Mauer des 5. Jh. – eine mögliche vierte Phase – noch nicht mitberücksichtigt ist.

Die Verwendung der bossierten Quader spricht für eine zeitliche Einordnung des Turms selbst in hasmonäische/herodianische Zeit, diese Datierung kann allerdings nach dem aktuellen Stand nicht belegt werden. Es könnte sich bei den Quadern des Turmes auch um eine Zweitverwendung des hasmonäischen/herodianischen Mauerwerks im 5. Jh. handeln, möglicherweise unter Abschlagung der Bossen zur Anpassung an den Zeitstil. Dies legt folgende Interpretationsvorschläge nahe:

1: Der Turm ist in hasmonäischer/herodianischer Zeit entstanden. Möglicherweise wurde er über bis zu zwei Vorgängerstrukturen errichtet, von denen (noch) keine mit Mauern im Bereich des Zionsfriedhofes verknüpft werden kann. Dieser hasmonäische/herodianische Turm wird zur Errichtung der Mauer des 5. Jh. entweder aufgelassen, als Fundament genutzt oder in seiner Gesamtheit integriert.

2: Der Turm wurde im 5. Jh. erbaut, besteht aber aus wiederverwendeten hasmonäischen/herodianischen Steinen und wurde auf ebenfalls wiederverwendeten hasmonäischen/herodianischen Fundamenten, die möglicherweise selbst Vorgänger haben, errichtet.

Diese bisher aufgefundenen Strukturen und deren chronologische Zuordnung eröffnen einen tieferen Einblick in die Stadtgeschichte Jerusalems, als bisher möglich war. Der Südwesthügel war in der Eisenzeit II, der hasmonäischen/herodianischen Periode und in byzantinischer Zeit bewohnt.

The Old Excavation Area

In August and September of 2015 preliminary work started in the old excavations by Bliss/ Dickie and Pixner with the land-owners agreement and the IAA.

Cleaning the area provided some special challenges. Because the relevant archaeological material had already been removed or otherwise relocated, artefacts have not been collected. The main task became the removal of spoil which had been used to fill the old excavations. These layers proved to be more extensive than had been expected. After four weeks, more than 120 tons of soil, sand, debris and trash had been removed.

After cleaning the ancient walls and gate, the stratigraphy became visible enough to provide a solid base for new interpretations. The cleaned remains have then been thoroughly documented.
Future research is based on exact measurements of all finds, located via the local grid, orthophotos, 3D Models and exact drawings derived from those. Based on this
 research, the structures of the Protestant Cemetery can now be connected to other excavations along the city wall in this area, especially the excavations of Yehiel Zelinger. Zelingers excavation is located to the south-east of the Protestant Cemetery, on the other side of Ma’ale HaShalom, the road running along the southern end of today’s historic old town. The recent excavation is located on the slope towards the Hinnom-Valley and, because of its steep exposition, the sole aim was the location course of the fortification in the south of the ancient city. Residential areas have not been examined here. Bliss and Dickie’s tunnel was also observed in this area, unlike in the Protestant cemetery, they did not tunnel towards the surface, leaving the archaeological remains in this area intact. Being located that close together suggests a cooperation of the GPIA and Yehiel Zelinger.

Interpretation of the Archaeology Found

The gate in the north-west of the excavation area features three thresholds. The oldest threshold was set between two obliquely trimmed blocks. They are the foundation of the archway that did span the entrance originally. The threshold itself features two circular depression – the pivot point for the hinges. Below the floor belonging to this gate, runs a well-built waste-water canal. The second threshold belongs to a phase of repair and raised the threshold’s heightfor35 cm. Circular indentations of the closing mechanism are also recognizable.The level of the third threshold marks the height of a new constructions phase. With its construction the level of the access to the city is raised for approximately 35 cm. It rests on a thick packing of mortar, which continuess in the fill of the ashlar wall.

In accordance with historical sources, it is very likely that the oldest threshold has been part of theGate of Essenes described by Flavius Josephus, according to whom the gate was built in Hasmonean or Herodian times. While it is not possible to date the phase of repair, we can date the latest threshold. It belongs to an ashlar-wall built by empress Eudecia in the fifth century.

South of the gate, three separate walls can be distinguished. The oldest of these three walls is located to the west of the ashlar-wall built by empress Eucedia, and does not have any connection to the other walls. Built entirely of field-stones, it has been erected directly on the underlying bedrock and runs along the edge of Mt.Zion. Bargil Pixner dated this wall into the Iron Age, a dating that might be obvious from the sources found in the Old Testament. Yet, insufficient documentation of finds and the missing connection of finds and surrounding layers make it impossible to confirm Pixner’s assumption.  

In the 5th century AD, a large ashlar wall was built by empress Eucedia. Its remains found in the GPIA’s excavation are contemporary to the upper threshold of the gate found here. It’s course differs slightly in an angle that of the underlying, older wall. During the construction of the later wall, the underlying fieldstone wall was destroyed. The 5th century AD ashlar wall part of the last phase of an all-encompassing city wall encircling the Byzantine Jerusalem. The remains of a third wall uncovered in the Anglican-Prussian cemetery cannot be dated at this point. This wall is built of large, rectangular, hewn and mortared fieldstones. It is located between the tower and the ashlar wall and likely represents a phase of repair, closing a gap between the tower and the ashlar-wall mentioned earlier. 

The tower in the south marks the spot where the wall, following the slope of Mount Zion, is changing its course towards the east. The 19th. Century cemetery wall has been cut through the tower destroying large parts of it, yet the remainders of the tower can still be seen on the on the outside of the cemetery wall, close to the street. The use of flat-bossed blocks suggests a construction in Hasmonean/ Herodian times or stones of this era have been reused. The foundation’s orientation differs some from that of the upper masonry, but until now it is unclear whether this goes back to an earlier construction or the change of angle became necessary to align the foundation to the slope. The same is true for the change in angle observed on the tower, between the upper ashlar-built section and the foundation. Three phases might be visible in the construction of the tower. The use of flat-bossed blocks was common in the Hasmonean/ Herodian era, but archaeological research cannot support this dating yet. It might be blocks of that era that have been reused during the 5th century AD.  Hewn-off faces might be a hint for adjusting the reused blocks to the contemporary style.

Above facts leave us with two viable scenarios:

1: The tower has been built in Hasmonean/ Herodian times, probably succeeding and built on the remains of up to two earlier structures. Yet, research until today does not connect those to the city walls found in the Anglican-Prussian cemetery. This Hasmonean/ Herodian tower was then either integrated into the 5th-century wall, used as the foundation or remained unused.

2: The tower has been built during the 5th century AD reusing blocks from the Hasmonean/ Herodian era on the foundation of the structure of that era or even older successors.

The structures found in the Anglican-Prussian cemetery offer a deeper look into Jerusalem’s history highlighting the times when Mount Zion, has been part of the walled city during the Iron Age I period, the Hasmonean/ Herodian era and in Byzantine times.