Loading...
History of Research2018-12-07T11:12:15+00:00

Forschungsgeschichte

Bliss und Dickie

Ein knappes halbes Jahrhundert nach der Einrichtung des anglikanisch-preussischen Friedhofs nahe der sog. Gobat-Schule führten die britischen Pioniere FREDERICK BLISS und ARCHIBALD DICKIE in den Jahren zwischen 1894 und 1897 die ersten Grabungen an dieser Stelle durch. Sie gruben sich in einem Tunnel an der jüngsten Stadtmauer, einer Quadermauer, entlang. Als sie auf die Toranlage stießen, öffneten sie einen kraterähnlichen Schnitt nach oben, um den Bereich der Schwellen genauer untersuchen zu können. BLISS identifizierte schließlich das älteste Portal mit dem bei Flavius Josephus überlieferten Essener-Tor (Bellum Iudaicum V, 145).

Aufgrund der Beschreibung der topographischen Elemente bei Josephus ist es sehr wahrscheinlich, dass diese Zuweisung tatsächlich zutrifft: Flavius Josephus nennt zwei Orte – eine Latrinenanlage Betso und das Essener-Tor – als zwischen dem Hippikus-Turm und dem Ost-Knick der Stadtmauer gelegen. Für den Standort der Latrine gibt es zwar noch keinen archäologischen Nachweis, doch deren Zwischenstellung und die örtliche Nähe des von BLISS und DICKIE ergrabenen Tores zum Knick der Stadtmauer nach Osten legt eine Zuordnung desselben als Essener-Tor nahe.
Einige Jahre darauf wurde der Friedhof nach Südosten erweitert. Aus diesem Grund schloss man die Grabung von BLISS und DICKIE mit einer Mauer zum Friedhof hin ab und terrassierte den gesamten südlichen Bereich.

Frederick Bliss und Archibald Dickie
Frederick Bliss and Archibald Dickie

Pixner

Fast ein Jahrhundert später suchte ein Benediktinermönch der Dormitio-Abtei, P. BARGIL  PIXNER, vor dem Hintergrund seines theologischen Interesses nach Zeugnissen aus der Zeit Jesu in Jerusalem. Auf der Grundlage der Zuweisung des Essener-Tores zum bereits ausgegrabenen Befund am Zionsberg und der Existenz einiger Mikwaot in der Umgebung, die er dem erhöhten Reinheitsbewusstsein der Essener zuschrieb, etablierte er die Idee eines Essener-Viertels auf dem Zion und begann eine großangelegte Grabungskampagne (1977–1988), um seine Thesen zu belegen. In den wenigen tatsächlich publizierten Artikeln und Beiträgen zu den Grabungen am Essener-Tor richtete er den Fokus weniger auf die Archäologie, sondern auf die Erläuterung seiner Ansichten.
Er konstruierte in diesen Texten – unter Vermischung einer eigenwilligen Interpretation archäologischer Befunde mit einer Fülle von literarischen Quellen – die Geschichte eines Essener-Viertels, das in herodianischer Zeit entstanden sei und das die erste judenchristliche Gemeinde hervorgebracht habe. Aufgrund der selektiven Dokumentationsweise fehlt eine umfassende Grabungspublikation und selbst in den Archiven der Dormitio-Abtei sowie der Israelischen Antikenbehörde (IAA) ist bislang wenig zusätzliches dokumentarisches Material entdeckt worden. Nachdem PIXNER  seine Grabungen 1988 einstellte, wurde ein Teil des Aushubs zurück in die Schnitte geschoben. Nach seiner Stilllegung verwahrloste das Areal zunehmend, wurde von Pflanzen zugewuchert und als Müllablageplatz des Friedhofs verwendet.

Die Diskussion um die Befunde kam dadurch jedoch nicht zum Stillstand. Die auf breite Zustimmung stoßende Zuordnung des Tores zu dem bei Flavius Josephus genannten Essener-Tor steht den Theorien zu einem Essener-Viertel auf dem Zion gegenüber, die zumeist abgelehnt werden. Seit den späten 80er-Jahren wurden in der Umgebung der Ausschachtungen PIXNERs allerdings keine Grabungen mehr durchgeführt. Die Besiedlungsstrukturen, die sich innerhalb der Stadtmauern befunden haben, wurden dementsprechend nie archäologisch untersucht, sodass bisher auch keine der die Wohnviertel betreffenden Theorien überprüft wurde.

In den 80er und 90er Jahren des 20. Jahrhunderts führten Theorien zur Ausdehnung deiner vor-exilischen Stadtmauer bis an die Hänge des Hinnom-Tales zu einer kontroversen Diskussion. Diese basiert unter anderem auf den Entdeckungen eines Stadtmauerabschnitte durch N.AVIGAD im Norden des Jüdischen Viertels der Altstadt, die vom Ausgräber in das Ende des 8. Jh. v. Chr. datiert wird. Aber auch die Ausgrabungen von PIXNER im Anglikanisch-Preussischen Friedhof und die nahegelegenen Ausgrabungen von ZELINGER im Süden der Khavitat Yerushalayim spielen eine Rolle in der Debatte. Laut PIXNER kann die im Süd-Osten des ‚Unteren Tores‘ gefundenen Mauer in die vor-exilische Periode datiert werden.

History of Research

Bliss and Dickie

About half a century after the Anglican-Prussian cemetery was established near the Gobat-School, British archaeologists FREDERICK BLISS and ARCHIBALD DICKIE  conducted first excavations in this area on Mt. Zion. Between 1894 and 1897 they used tunnels to follow the ancient city-wall around the crest of Mount Zion. After they discovered the remains of a gate, BLISS and DICKIE opened a crater like pit towards the surface. In his early reports in the journal of the London based Palestine Exploration Fund, BLISS identified the gate as the long-lost ‚Gate of the Essenes‘ mentioned by Flavius Josephus (Bellum Iudaicum V, 145). Despite BLISS’s later hesitation, it seems his first assessment was quite correct, given the fact that Flavius Josephus provides topographic information supporting Bliss’s initial claim.
Flavius Josephus referred to places locations between the Hippikus tower and the eastward bend of the walls – the latrine of Betso and the ‚Gate of the Essenes‘. No traces of the latrine have been found to date. The location of the gate excavated by BLISS and DICKIE though, suggest it is plausible they indeed found the Gate of the Essenes.
Some year later, the cemetery was extended towards south-east – a wall was built to close off the excavation of BLISS and DICKIE, and a terrace was built over southern extent.

Pixner

It took almost a century until the area attracted the interest of a Benedict Monk of the Dormitio-Abbey – P. BARGIL PIXNER.  PIXNER had established the idea of an Essene-quarter an mount Zion, based on the reports of BLISS and DICKIE and two nearby mikwaot that PIXNER attributed to the Essenes customs of cleansing. The excavations PIXNER executed between 1977 until 1988 were to support his claim. Consequently, his few published articles stood in the light of his theories, rather than archaeology. PIXNER mixed his unique interpretations of archaeological findings with a large number of literary sources to construct a history of the quarter of the Essenes. This quarter, he claimed, would have been founded during the Herodian era and it is here from where the first Jewish-Christian community originated. Because of his selective documentation, no thorough publication of the excavation exists, nor have many new sources resurfaced from the archives of the Dormition-Abbey or those of the Israel Antiquities Authority.
After PIXNER ended his excavations in 1988, some of the spoil was filled into the trenches again – the area was neglected, became overgrown and was used as a dump-site of the adjacent cemetery.

Nevertheless, the debate concerning the discoveries on Mt. Zion did not cease. While the claim of having excavated the Gate of the Essenes widely gained agreement, PIXNERs theory of a quarter of the Essenes was commonly dismissed. No excavations have been carried out in the area of PIXNERS digs since the late 80s. The structures that were enclosed by the city wall thus have never been examined in this area, meaning that theories concerning the quarter itself could not be evaluated.

During the 1980s and ‘90s there was a controversial discussion whether a pre-exilic wall extended to the slope of the Hinnom Valley, like the wall found by N. AVIGAD in the northern part of the Jewish quarter, dated by him to the end of the 8th century B. C. The excavation on the Protestant Cemetery by BARGIL PIXNER and the new nearby excavations in the south of the Khativat Yerushalayim by ZELINGER are relevant for this debate. According to PIXNER, the ancient wall found to the south-east of the “Lower Gate” can be ascribed to the pre-exilic period.